Aufbruchstimmung
Es kommen nostalgische Gefühle auf. Vor genau 25 Jahren hatten wir ebenfalls für ein halbes Jahr gepackt. Damals ging´s nach Zentral- und Südamerika. Ich erinnere mich: Ein paar Klamotten, Necessaire und das Wichtigste: Geld bzw. Reisechecks, Pass und das Southamerican-Handbuch. Das hat damals schon gereicht. Den Rest kann man ja zukaufen.
In diesem Moment kommt Karin herein: «Hey Luki, vergiss nicht die Hemden, Jacket, Hosen und die schönen Schuhe für die Dinnerabende auf dem Schiff einzupacken; und kannst du mir bitte meinen Rollkoffer ‘runtertragen?»
«Ja, okay, aber musst du jetzt alles Bettzeug noch waschen und das ganze Haus staubsaugen?» - «Ja, sicher, dann wissen Lino und die WG-Studenten, wie ich das Haus bei unserer Rückkehr im Frühjahr antreffen möchte.»
Ich packe meine Sachen – brauche demnach definitiv auch einen Rollkoffer – und rufe dann ein Taxi. «Isch das okay, Spatzerl?» - «Nein, warte noch, ich bin am Staubsaugen und der Fernseher muss noch ins Wohnzimmer runter, und nochmals mein Gepäck steht noch hier!»
«Was hast den du da alles reingepackt? Der ist ja doppelt so schwer wie meiner!» - «Ja, Laptop, Tablet, Reiseführer und natürlich Kleider für Winter und Sommer in New York und Chicago wird´s schweinekalt und im Süden brauch ich die leichte Bekleidung.» - «Also, in zehn Minuten kommt das Taxi, unsere Tochter Mara möchten wir auch noch verabschieden, sie kommt um 8.45 Uhr ins Starbucks am Bahnhof. Und kannst du jetzt bitte den Staubsauger abstellen!»
Lino: «Hey Mami wo ist die Fernbedienung des Fernsehers?»
Mami: «Oh, schau mal in der Waschmaschine nach – zwischen den Leintüchern.»
Lino: «Ja, super, ich wollte morgen die erste Champions-League-Party mit den Kollegen steigen lassen. Hast du ein Föhn zum Trocknen?»
Luki: «Karin, das Taxi ist vorgefahren, hast du alles? Das wichtigste sind Pass und Creditcard.»
Karin: «Ou, wart, wo isch mini Visa??!! Die hani geschter no gha…. Ah vermuetli isch si bi dä Winti-Saisonchartä im Sekretär...»
Luki: «Ja super, so jetzt gömer, chum susch trüli au no im rotä Bereich und derbi hanis welä isi nä!»
«Tschau Lino, see you next year in springtime!»
19.10.2015/ld
Endspurt
Staubsaugen vor dem Aufbruch zu einer halbjährigen Reise, bedeutet nichts anderes als das Abschliessen all der Arbeiten, die in einem Haus noch zu erledigen sind, bevor es an die junge Generation übergeben wird. Die Zimmer sollen für WG-Bewohner freundlich hergerichtet sein. Das kann aber im letzten Zimmer eben auch erst nach der letzten Nacht so durchgeführt werden. Darum noch husch, ein finales Kurzsaugen des Schlafzimmers und bereitlegen der frischen Bettwäsche. Die Gebrauchte rasch in die Waschmaschine, und ich kann nochmals überlegen, ob ich wirklich alles Wichtige eingepackt habe.
Doch schon unterbricht mich Lino: «Mami, wo isch d’Färnbedienig vom Fernseher?» Uups, da war ich etwas schusselig. Da ist doch tatsächlich die Fernbedienung mit in die Bettwäsche und somit in die Waschmaschine geraten. Aber sind wir ehrlich, das kann jedem passieren. Zudem: in der Schweiz wird doch noch ganz anderes gewaschen, oder …?
Zurück zum Gegencheck des Eingepackten: An Kleidern habe ich wirklich nur das Allernötigste verstaut. Das Ballkleid beispielsweise ist mein Hochzeitskleid, das auch nach 25 Jahren noch immer passt. Dieses kann als Ballkleid dienen, ist aber gleichzeitig der passende Jupe für die warmen Tage, die uns dann im Süden der USA (stilistisch passt er hervorragend zur Venice Beach …) erwarten.
Bis dann gibt es noch einiges zu berichten – wohl öfters aus unterschiedlicher Perspektive.
19.10.15/kbd