Von Kinderträumen und vom Reisen
Maya lernte ich kennen, als ich meine Lehre machte. Damals war sie meine beste Freundin und meine Sorgenfreundin. Das ist eine Freundin, um die man sich immer Sorgen machen muss. Maya war eine intelligente, junge, sehr interessante Frau. Ich habe viel von ihr gelernt. Aber Maya war drogensüchtig.
Maya hatte eine liebevolle Mutter, einen coolen Bruder und einen Freund. Der war dann wieder ihr Exfreund, dann wieder ihr Freund, dann der Vater ihres Sohnes, dann ihr Exfreund etc. Die beiden kamen bei allen Problemen nie voneinander los. 1988 haben sie in Las Vegas geheiratet und in Los Angeles ihre Flitterwochen verbracht. 1991 sind beide gestorben.
Kurz nach der Lehre war Maya zudem für einen Sprachaufenthalt in Los Angeles. Ich weiss noch genau, wie sie davon geschwärmt hat. Sie brachte mir als Souvenir ein T’Shirt nachhause und schenkte mir zwei Fotos. Das eine sehe ich vor mir, wie sie da am Strand sitzt. Jung, hübsch, schlank und mit ihrem besonderen Lächeln im Gesicht. Das zweite ist das Bild eines Münzsuchers, wie er mit seinem Metalldetektor nach Kleingeld sucht und sich damit seinen Lebensunterhalt verdient. Ich weiss noch, wie Maya sagte, dass ihr das vorkomme wie das moderne Goldsuchen.
Maya war auch immer auf der Suche: nach dem grossen Glück, nach der grossen Liebe, nach dem Sinn des Lebens. Ich denke bis heute immer wieder an sie, meine Sorgenfreundin.
Los Angeles, 22. Dezember 2015/kbd