Eine Postkutsche im Schaufenster

Dieses Bild katapultiert mich ein halbes Jahrhundert zurück in das Spielzimmer meines Kindergartenkollegen Jürgli Kunz.

«Chunsch hüt zu mir go spilä und bringsch dini Postkutschä mit?»

Ich hatte, vermutlich von meinem Götti, eine Wells Fargo Postkutsche auf den Geburtstag gekriegt. Auf dem Bock vorn sass der Kutscher mit einem Hut, auf dem Wells Fargo stand. Hinten stand ein Soldat der amerikanischen Armee, der das Gefährt sichern sollte, was selten gelang. Die Fahrt ging fast immer durch gefährliches Indianerland. Es lauerten nicht nur Indianer hinter dem Hügel, auch wilde Horden von Cowboys waren auf Beute aus. Die Spielnachmittage vergingen im Nu.

Vorgestern besuchten wir das Indianermuseum, das vor gut zehn Jahren in Washington an prominenter Lage eröffnet wurde. Hier wird ein dunkles Kapitel amerikanischer Geschichte aufgearbeitet. Der weisse Häuptling in Washington hatte immer wieder Verträge vorgelegt und gleich wieder gebrochen, als neue Siedler aus Europa in der "neuen Welt" ankamen. Der Schauspieler Robert Redford hat diese Ereignisse als Produzent von Dokumentarfilmen eindrucksvoll nachgestellt. Das, was sich im 19. Jahrhundert zugetragen hat, war nichts anderes als ein Genozid an der Urbevölkerung.

Nichtsdestotrotz werden wir demnächst mit dem «Feuerross» (heute Amtrak) durch den «wilden Westen» reisen und sind gespannt, ob noch irgendwo eine Wells Fargo-Postkutsche unterwegs sein wird.

9.11.2015/ld

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