Altmännersommer

Ein herrlicher Novembertag im Tyron-Park, ganz oben in Manhattan am Hudson. Herbstfarben in warmes Sonnenlicht getaucht. Höchsttemperatur: 21 Grad. In der lauen Luft tanzen bunte Blätter, die Bäume werden ganz gemächlich lichter. Kurz: ein perfekter Indian-Summer.

Ich gebe zu, mein Mantel ist jetzt ein bisschen warm (aber das bleibt unter uns!). Ganz verzaubert mache ich die eine oder andere Aufnahme. Da hör ich die Stimme meines Liebsten. «Spatzerl, kannst du bitte kommen?» - «Komm du, hier hast du einen schönen Blick hinüber nach New Jersey.» - «Nein, bitte komm du.»

Warum soll ich umkehren? Ich blicke genauer hin. Steht Luki nicht leicht krumm da? Vorhin hat er lauthals verkündet, am Mäuerchen ein paar Dehnungsübungen zu machen. Hat ihn ein Hexenschuss befallen? Alarmiert gehe ich zurück. Er bewegt sich kein Müh. Mir schwant Böses.

«Spatzerl, kannst du mir einhängen?» Ich mache mich bereit, lege die Tasche zu Boden, hänge ein und atme tief ein. Luki über meinen Rücken zu ziehen, damit sich seiner strecken kann, ist mit den Jahren nicht leichter geworden.

Er lacht: «Okay, erwischt. Hak dich einfach unter. Ich möchte wieder mal mit dir durch buntes Laub schlendern und die Blätter aufwirbeln.»

Ein wahrer Romantiker, mein Mann. 

ODER SO ...

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